Galopp am Goldenen Reiter: Mit Martin Seller durch den südlichen Auwald (11 km)
Foto: Andreas Döring
Martin Seller (28) ist Triathlet seit seinem 13. Lebensjahr. Das wöchentliche Laufpensum liegt zwischen 90 bis 110 Kilometern, die Marathonbestzeit beträgt 3 Stunden und 13 Minuten. Im September will Seller, der keinem Sportverein angehört, in Münster sogar die Drei-Stunden-Grenze knacken. Dafür trainiert er bei Wind und Wetter („Wenn man nass ist, ist man eben nass“).
Um vor der Arbeit noch laufen zu können, steht er um 6 Uhr auf. Danach bereitet er das Frühstück für sich und die Freundin, die das Fitnessstudio vorzieht. Anschließend geht er dann ins Büro – Seller arbeitet in der Immobilienbranche. Am Wochenende wird Radfahren trainiert oder auch der lange Kanten über 36 Kilometer. Sellers Devise: „Wer sich nicht quält, darf auch nicht erwarten, dass im Wettkampf etwas rauskommt.“
Wir treffen uns am Kreisverkehr Karl-Tauchnitz-Straße. Auf der Anton-Bruckner-Allee geht es hinein in den Clara-Zetkin-Park. Zwar will Seller am Abend noch am Mannschaftslauf im Auewald teilnehmen. Das hindert ihn jetzt aber nicht an einer zusätzlichen Trainingseinheit. Schon bald zeigt sich: Dieser Lauf wird kein Kindergeburtstag!
Zügig queren wir die Sachsenbrücke. Vor dem Klingerweg geht die Tour nach links in den Wald und schon ist ein Kilometer weg. Flink passieren wir den asphaltierten Nonnenweg durch den Auwald – Kilometer 2.
Dann wartet das erste ernst zu nehmende Hindernis, der vielbefahrene Schleußiger Weg. Da entscheidet man sich am besten für die Ampel und läuft dahinter kurz nach rechts, um in den Fahrradweg einzubiegen. Der führt rechts vom Elsterflutbecken geradewegs in den Süden. Trotz hohen Tempos grüßt Seller jeden entgegenkommenden Läufer oder Jogger. Er schwärmt von seinem grünen Leipzig, vom kühlenden Schatten, den die alten Bäume im Sommer werfen, von den Seen, von den vielen Laufmöglichkeiten und von der Freundlichkeit der Sachsen. Der Weg verläuft in Richtung Wasser leicht nach unten, 100 Meter davor liegt Kilometer 3. Gretchenfrage: Ob er denn auch Walker grüße? Seller feixt: „Ja...mhhm – wenn sie den Weg nicht so versperren!“
Wir passieren Kilometer 4, überqueren die Brücke über das Elsterflutbecken und laufen nach links im Bogen Richtung Senke. Dahinter führt der Weg in den Wald leicht nach oben, und nach etwa 100 Metern sind wir am Kilometer 5 angelangt. Immer geradeaus geht die Strecke und schließlich über die Weiße Brücke. Am Kilometer sechs ist dann der Wildpark erreicht. Hier führt die Tour nach links auf die Neue Linie. Nach der Hakenbrücke biegen wir wieder nach rechts. Seller verrät inzwischen Ernährungstricks: Kirschsaft beispielsweise helfe gegen Eisenmangel. Vor der Unterführung laufen wir nach links und dann parallel zur Hauptverkehrsader B 2 – einst quälend langes Teilstück des Leipzig-Marathons. Sieben Kilometer sind geschafft. An der nächsten Unterführung sind es sogar acht.
Die Propsteibrücke am Pleißeufer ist noch immer gesperrt. Deshalb bleiben wir zwischen Fluss und B 2. Seller verweist auf den Fockeberg hinter den Bäumen, der rechts von uns liegt und ein für Leipziger Verhältnisse ideales Berglaufterrain darstellt. Am Schleußiger Weg, wo wir uns links halten, sind es neun Kilometer. Die vielbefahrene Straße muss noch einmal überquert werden.
Vor dem Pleißearm biegen wir rechts ein und schon bald grüßt Ritchie Riedigers Skulptur „Der Goldene Reiter“. 200 Meter vor der Sachsenbrücke sind es dann knapp zehn Kilometer. Jetzt noch mal Vollgas. Unter den Blicken junger Skaterinnen geben wir uns keine Blöße. Am Kreisverkehr sind es knapp elf Kilometer. Aber wo ist jetzt das nächste Sauerstoffzelt?
Roland Herold, Leipziger Volkszeitung
